Q&A

Hauskauf und Finanzierung — Immobilie in Deutschland kaufen

Wie Sie in Deutschland ein Haus oder eine Wohnung kaufen: Finanzierung, Nebenkosten, Notar und Tipps für Ausländer.

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Deutsche Begriffe
Hauskauf Immobilienfinanzierung Baufinanzierung Grundbuch Notar Eigenkapital Grunderwerbsteuer

Kann ich als Ausländer in Deutschland ein Haus kaufen?

Ja! In Deutschland gibt es keine Einschränkungen für Ausländer beim Immobilienkauf — jeder kann eine Immobilie kaufen, unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus.

Allerdings: Für eine Baufinanzierung (Kredit) verlangen Banken in der Regel einen gültigen Aufenthaltstitel (am besten unbefristet) und ein regelmäßiges Einkommen in Deutschland.

Kaufen oder mieten?

Wann lohnt sich der Kauf?

Kaufen ist sinnvoll, wenn... Mieten ist besser, wenn...
Sie langfristig in Deutschland bleiben (10+ Jahre) Sie nur vorübergehend hier leben
Sie genug Eigenkapital haben (20–30 % + Nebenkosten) Wenig Erspartes vorhanden
Die Miete höher ist als die Rate + Nebenkosten Flexibilität wichtiger als Eigentum
Sie Vermögen aufbauen wollen Ungewisser Aufenthaltsstatus
Niedrige Zinsen (unter 3–4 %) Hohe Zinsen (über 4–5 %)

Was kostet ein Haus in Deutschland?

Die Immobilienpreise variieren enorm nach Region:

Stadt/Region Haus (Median) Wohnung (Median, 80 m²)
München 700.000–1.200.000 € 400.000–600.000 €
Hamburg 400.000–700.000 € 250.000–400.000 €
Berlin 350.000–600.000 € 200.000–350.000 €
Frankfurt 400.000–700.000 € 250.000–400.000 €
Köln/Düsseldorf 350.000–600.000 € 200.000–350.000 €
Ländliche Regionen 150.000–300.000 € 80.000–180.000 €

Nebenkosten beim Kauf — die versteckten Kosten

Zum Kaufpreis kommen erhebliche Nebenkosten hinzu:

Kostenpunkt Höhe Beispiel (300.000 € Kaufpreis)
Grunderwerbsteuer 3,5–6,5 % (je nach Bundesland) 10.500–19.500 €
Notarkosten ca. 1,5 % 4.500 €
Grundbucheintrag ca. 0,5 % 1.500 €
Maklergebühr 3–7 % (geteilt oder allein) 9.000–21.000 €
Gesamt Nebenkosten 8–15 % 25.500–46.500 €

Grunderwerbsteuer nach Bundesland

Bundesland Steuersatz
Bayern, Sachsen 3,5 % (am niedrigsten)
Baden-Württemberg 5,0 %
Berlin, Hamburg, Hessen 6,0 %
NRW, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen, Brandenburg 6,5 % (am höchsten)

Finanzierung (Baufinanzierung)

Eigenkapital — wie viel brauche ich?

  • Mindestens: Nebenkosten (8–15 % des Kaufpreises) aus eigener Tasche
  • Empfohlen: 20–30 % des Kaufpreises + Nebenkosten
  • Je mehr Eigenkapital, desto: bessere Zinsen, niedrigere Rate, weniger Risiko

Wie funktioniert eine Baufinanzierung?

  1. Finanzierungsrahmen klären — Wie viel können Sie sich leisten?
  2. Kreditangebote einholen — von Ihrer Hausbank, Direktbanken und Kreditvermittlern
  3. Zinsbindung wählen — wie lange der Zinssatz fest bleibt (10, 15, 20 oder 30 Jahre)
  4. Tilgung festlegen — wie schnell Sie zurückzahlen (mindestens 2 %, besser 3 %)
  5. Kreditvertrag unterschreiben
  6. Immobilie kaufen (Notar)

Wie viel Rate kann ich mir leisten?

Faustregel: Die monatliche Rate sollte maximal 35 % Ihres Nettoeinkommens betragen.

Nettoeinkommen (Haushalt) Max. Rate/Monat Möglicher Kredit (2 % Tilgung, 3,5 % Zins)
3.000 € 1.050 € ca. 230.000 €
4.000 € 1.400 € ca. 305.000 €
5.000 € 1.750 € ca. 380.000 €
6.000 € 2.100 € ca. 460.000 €

Zinsbindung — wie lange fest?

Zinsbindung Vorteil Nachteil
10 Jahre Niedrigster Zinssatz Zinsrisiko nach 10 Jahren
15 Jahre Guter Kompromiss Etwas höherer Zins
20 Jahre Planungssicherheit Höherer Zins
30 Jahre Maximale Sicherheit Höchster Zins, aber Kündigung nach 10 Jahren möglich (§ 489 BGB)

Der Kaufprozess — Schritt für Schritt

1. Immobilie suchen

  • Online-Portale: ImmobilienScout24, ImmoWelt, eBay Kleinanzeigen
  • Makler: Finden Immobilien für Sie (Provision beachten!)
  • Zeitungsannoncen und Aushänge
  • Zwangsversteigerungen: amtsgericht.de (oft günstiger, aber Risiken!)

2. Besichtigung und Prüfung

  • Mindestens 2–3 Besichtigungen (unterschiedliche Tageszeiten!)
  • Energieausweis einsehen (Pflicht des Verkäufers)
  • Bausubstanz prüfen lassen — bei älteren Häusern: Sachverständigen mitnehmen (200–500 €)
  • Grundbuch prüfen — Belastungen, Wegerechte, Hypotheken

3. Finanzierungszusage

  • Finanzierungsbestätigung der Bank einholen (Voraussetzung für den Notartermin)
  • Vergleichen Sie mindestens 3 Angebote (Banken, Sparkassen, Kreditvermittler wie Interhyp, Dr. Klein)

4. Kaufvertrag und Notar

  • Der Notar beurkundet den Kaufvertrag (Pflicht in Deutschland)
  • Beide Parteien müssen persönlich anwesend sein (oder eine notarielle Vollmacht haben)
  • Der Notar liest den gesamten Vertrag vor (1–2 Stunden)
  • Bedenkzeit: Sie erhalten den Vertragsentwurf mindestens 14 Tage vor dem Termin
  • Dolmetscher: Wenn Sie kein Deutsch sprechen, muss ein vereidigter Dolmetscher anwesend sein (Kosten: 200–500 €)

5. Kaufpreis und Grunderwerbsteuer zahlen

  1. Grunderwerbsteuer zahlen (an das Finanzamt, ca. 4–8 Wochen nach Notartermin)
  2. Kaufpreis zahlen (an den Verkäufer, nach Aufforderung durch den Notar)
  3. Grundbucheintrag — Sie werden als neuer Eigentümer eingetragen

6. Schlüsselübergabe

  • In der Regel nach Kaufpreiszahlung und Grundbucheintrag (ca. 2–4 Monate nach Notar)
  • Übergabeprotokoll erstellen (Zählerstände, Mängel, Schlüssel)

Förderprogramme

KfW-Förderung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet günstige Kredite und Zuschüsse:

  • KfW-Wohneigentumsprogramm — günstiger Kredit für selbst genutztes Wohneigentum (bis 100.000 €)
  • Energieeffizientes Bauen/Sanieren — Zuschüsse für energetische Sanierung
  • Baukindergeld — (war bis 2023 verfügbar, aktuell ausgelaufen — Nachfolgeprogramm prüfen)

Wohn-Riester

  • Riester-Zulagen und Steuervorteile für die Eigenheimfinanzierung
  • Zulagen: 175 €/Jahr pro Person + 300 €/Kind
  • Auch für Tilgung eines Baukredits verwendbar

Tipps für ausländische Käufer

  1. Aufenthaltstitel — für einen Kredit brauchen Sie einen stabilen Aufenthaltstitel (idealerweise Niederlassungserlaubnis)
  2. SCHUFA-Score pflegen — ein guter Score verbessert Ihre Kreditkonditionen erheblich
  3. Eigenkapital sparen — 20 % + Nebenkosten ist ideal
  4. Steuerberater fragen — Immobilienkauf hat steuerliche Auswirkungen
  5. Nicht übereilt kaufen — nehmen Sie sich Zeit, vergleichen Sie, lassen Sie die Bausubstanz prüfen
  6. Dolmetscher — beim Notartermin ist ein vereidigter Dolmetscher Pflicht, wenn Sie den Vertrag nicht auf Deutsch verstehen

Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

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