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Wohnberechtigungsschein (WBS) — Günstige Sozialwohnungen

Was ein WBS ist, wer ihn bekommt und wie Sie damit eine günstige Sozialwohnung finden.

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Deutsche Begriffe
Wohnberechtigungsschein WBS Sozialwohnung Einkommensgrenze Sozialer Wohnungsbau

Was ist ein Wohnberechtigungsschein?

Der Wohnberechtigungsschein (WBS) berechtigt Sie, eine Sozialwohnung (öffentlich geförderte Wohnung) zu mieten. Diese Wohnungen haben eine deutlich günstigere Miete als der freie Markt — oft 30–50 % unter der Marktmiete.

Sozialwohnungen werden mit öffentlichen Geldern gebaut oder saniert. Im Gegenzug müssen die Vermieter die Wohnungen nur an WBS-Inhaber vermieten und die Miete begrenzen.

Wer bekommt einen WBS?

Einkommensgrenzen

Der WBS richtet sich an Haushalte mit geringem Einkommen. Die Einkommensgrenzen variieren stark nach Bundesland:

Bundesland 1 Person 2 Personen Jede weitere Person
NRW 20.420 € 24.600 € + 5.740 €
Bayern 18.000 € 22.000 € + 5.200 €
Berlin 16.800 € 25.200 € + 5.740 €
Hamburg 16.800 € 25.200 € + 5.740 €
Baden-Württemberg 17.220 € 20.760 € + 5.820 €

(Netto-Jahreseinkommen, Stand 2025/26 — Angaben variieren, bitte bei der zuständigen Behörde nachfragen)

Wichtig: Brutto ≠ Netto

Für den WBS zählt das anrechenbare Einkommen — das ist:

Bruttoeinkommen minus:
- Werbungskosten (pauschal 1.230 € oder tatsächliche)
- Steuern
- Sozialversicherungsbeiträge
- Freibeträge für Kinder, Schwerbehinderte, Alleinerziehende

Wer kann beantragen?

  • Deutsche und EU-Bürger mit Wohnsitz in der Stadt
  • Drittstaatsangehörige mit gültigem Aufenthaltstitel
  • Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis
  • Auch Studenten, Auszubildende, Rentner können berechtigt sein

WBS I, II und III — Stufen

In einigen Bundesländern (z. B. NRW) gibt es verschiedene WBS-Stufen:

Stufe Einkommen Miete
WBS I Bis zur normalen Einkommensgrenze Am günstigsten
WBS II Bis 40 % über der Grenze Moderat
WBS III Bis 60 % über der Grenze Nur wenig vergünstigt

Vorteil: Auch wenn Ihr Einkommen etwas über der Grundgrenze liegt, können Sie mit WBS II oder III berechtigt sein!

Wie beantrage ich einen WBS?

Schritt 1 — Zuständige Behörde finden

Der WBS wird bei der Wohnungsbauförderungsstelle oder dem Amt für Wohnungswesen Ihrer Stadt beantragt:

  • In großen Städten: eigenes Wohnungsamt
  • In kleineren Gemeinden: beim Bürgeramt oder Landratsamt
  • Online-Antrag: in manchen Städten möglich (z. B. Berlin, Hamburg)

Schritt 2 — Unterlagen sammeln

Sie benötigen:

  • Personalausweis oder Reisepass + Aufenthaltstitel
  • Meldebescheinigung (aktuelle Anmeldung)
  • Einkommensnachweise der letzten 12 Monate (Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheid)
  • Bürgergeld-/Wohngeld-Bescheid (falls zutreffend)
  • Mietvertrag (aktueller, falls vorhanden)
  • Kindergeldbescheid (falls Kinder)
  • Schwerbehinderten-Ausweis (falls vorhanden)
  • Kontoauszüge (manche Behörden verlangen das)

Schritt 3 — Antrag stellen

  • Formular ausfüllen (online oder auf Papier)
  • Unterlagen beifügen
  • Persönlich abgeben oder per Post senden

Schritt 4 — Bescheid erhalten

  • Bearbeitungszeit: 2–8 Wochen (je nach Stadt)
  • Gültigkeit: In der Regel 1 Jahr (verlängerbar)
  • Der WBS gibt an: Haushaltsgröße und maximale Wohnungsgröße (z. B. „2 Personen, bis 65 m²")

Wohnungsgrößen

Der WBS legt fest, wie groß Ihre Wohnung sein darf:

Haushaltsgröße Max. Wohnfläche Max. Zimmer
1 Person 45–50 m² 1–2 Zimmer
2 Personen 60–65 m² 2–3 Zimmer
3 Personen 75–80 m² 3–4 Zimmer
4 Personen 85–95 m² 4–5 Zimmer
Jede weitere Person + 10–15 m² + 1 Zimmer

(Angaben variieren nach Bundesland)

Wie finde ich eine Sozialwohnung?

Das Problem

Es gibt viel mehr WBS-Berechtigte als Sozialwohnungen. In vielen Städten liegt die Wartezeit bei Monaten bis Jahren. Trotzdem lohnt sich der WBS — Sie haben mehr Optionen.

Wo suchen?

  1. Städtische Wohnungsgesellschaften — z. B. SAGA (Hamburg), degewo/HOWOGE (Berlin), GWG (München)
  2. Genossenschaften — viele haben Sozialwohnungen, erfordern aber einen Genossenschaftsanteil (500–3.000 €, wird bei Auszug zurückgezahlt)
  3. Online-Portale — Immobilienscout24, WG-Gesucht (Filter: „WBS erforderlich")
  4. Wohnungsamt — manche Ämter vermitteln aktiv Wohnungen
  5. Soziale Einrichtungen — Caritas, Diakonie, Wohnhilfen helfen bei der Suche

Tipps für die Suche

  • Bewerbungsmappe vorbereiten — WBS, Einkommensnachweise, SCHUFA, Personalausweis
  • Flexibel sein — auch Randgebiete und weniger beliebte Stadtteile in Betracht ziehen
  • Hartnäckig bleiben — regelmäßig nachfragen, neue Angebote prüfen
  • Soziale Dringlichkeit geltend machen — bei Obdachlosigkeit, Schwangerschaft, Behinderung oder häuslicher Gewalt haben Sie Vorrang

Mietpreise von Sozialwohnungen

Die Mieten von Sozialwohnungen sind deutlich günstiger:

Stadt Marktmiete (ca.) Sozialmiete (ca.) Ersparnis
München 18–22 €/m² 8–12 €/m² ~50 %
Hamburg 12–16 €/m² 6–9 €/m² ~40–50 %
Berlin 10–14 €/m² 6–8 €/m² ~35–45 %
Köln 11–15 €/m² 6–9 €/m² ~40 %

Bindungsfrist — wie lange bleibt es günstig?

Sozialwohnungen haben eine Bindungsfrist — danach darf der Vermieter die Miete auf Marktniveau erhöhen:

  • Neubauten (seit 2000): 15–30 Jahre Bindung
  • Ältere Wohnungen: Bindung oft bereits ausgelaufen → Miete kann steigen

Prüfen Sie bei der Wohnungsbesichtigung, wie lange die Bindung noch gilt.

Häufige Fehler

  1. Nicht beantragen — viele denken, sie verdienen zu viel → Einkommensgrenzen sind höher als gedacht!
  2. Zu spät verlängern — WBS rechtzeitig (1–2 Monate vor Ablauf) verlängern
  3. Falsche Angaben — können zur Rücknahme des WBS und Kündigung der Wohnung führen
  4. Nur eine Quelle nutzen — parallel bei Wohnungsgesellschaften, Genossenschaften UND online suchen

Tipps für Ausländer

  1. Aufenthaltstitel mitbringen — ohne gültigen Titel kein WBS
  2. Einkommensnachweise übersetzen — falls Einkommen aus dem Ausland
  3. Beratung nutzen — Migrationsberatung, Caritas, Diakonie helfen beim Antrag
  4. Sprachbarriere: Bringen Sie jemanden zum Übersetzen mit oder nutzen Sie die Beratungsstellen

Redaktion hamboorg.city · Stand: April 2026 · Sorgfältig erstellt, regelmäßig aktualisiert. Der Inhalt dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

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