Wohneigentum in Deutschland — Lohnt sich das?
Deutschland hat im europäischen Vergleich eine der niedrigsten Wohneigentumsquoten — nur rund 50 % der Haushalte besitzen ihre eigene Immobilie. Für viele Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben, kann der Kauf einer Immobilie aber eine sinnvolle Investition sein, besonders bei steigenden Mieten. Der Staat fördert den Erwerb von Wohneigentum mit verschiedenen Programmen.
KfW-Förderung — Günstige Kredite und Zuschüsse
Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist die staatliche Förderbank Deutschlands. Sie bietet verschiedene Programme für den Kauf, Bau und die Sanierung von Immobilien:
KfW-Programm 124 — Wohneigentumsprogramm
- Zinsgünstiger Kredit bis zu 100.000 €
- Für den Kauf oder Bau einer selbst genutzten Immobilie
- Tilgungsfreie Anlaufjahre möglich (1–3 Jahre)
- Antrag vor dem Kauf über die Hausbank stellen
KfW-Programm 261 — Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
- Für den Neubau oder Kauf eines Effizienzhauses (hoher Energiestandard)
- Kredit bis zu 150.000 € pro Wohneinheit
- Tilgungszuschuss bis zu 25 % (je nach Effizienzhaus-Stufe)
- Besonders attraktiv bei Effizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse (NH)
KfW-Programm 300 — Wohneigentum für Familien
- Speziell für Familien mit Kindern und einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 90.000 € (+ 10.000 € pro weiterem Kind)
- Zinsgünstiger Kredit bis zu 270.000 € (je nach Anzahl der Kinder und Effizienzstandard)
- Für den Neubau oder Erstkauf eines Neubaus (Effizienzhaus 40)
- Gilt auch für Ausländer mit dauerhaftem Aufenthalt
Wie beantrage ich eine KfW-Förderung?
- Informieren Sie sich auf kfw.de über das passende Programm
- Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank oder einem Finanzierungsberater
- Die Bank stellt den Antrag bei der KfW für Sie
- Wichtig: Der Antrag muss vor dem Kauf oder vor Baubeginn gestellt werden!
Baukindergeld — Zuschuss für Familien (Nachfolgeprogramm)
Das klassische Baukindergeld (2018–2023) ist ausgelaufen. Als Nachfolger gibt es seit 2024 das KfW-Programm 300 „Wohneigentum für Familien" (siehe oben). Dieses richtet sich gezielt an Familien mit Kindern und bietet besonders günstige Konditionen.
Wer ist berechtigt?
- Familien mit mindestens einem Kind unter 18
- Zu versteuerndes Haushaltseinkommen bis 90.000 € (bei einem Kind) + 10.000 € pro weiterem Kind
- Erstmaliger Erwerb von Wohneigentum (kein bestehendes Eigentum)
- Die Immobilie muss selbst genutzt werden
- Keine Beschränkung auf deutsche Staatsangehörige — ein dauerhafter Aufenthalt genügt
Wohnriester — Altersvorsorge fürs Eigenheim
Wohn-Riester (offiziell: Eigenheimrente) ist eine Form der Riester-Rente, bei der das angesparte Kapital für eine selbst genutzte Immobilie verwendet werden kann.
Vorteile
- Staatliche Zulagen: 175 € Grundzulage + 185–300 € pro Kind (je nach Geburtsjahr)
- Sonderausgabenabzug bis 2.100 € jährlich
- Das Kapital kann für Kauf, Bau oder Entschuldung verwendet werden
Nachteile
- Die Förderung muss im Alter nachversteuert werden (Wohnförderkonto)
- Die Immobilie muss selbst genutzt werden — bei Vermietung oder Verkauf droht Rückzahlung
- Bürokratisch und komplex
Wer bekommt Wohn-Riester?
- Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung
- Beamte
- Ehepartner von förderberechtigten Personen (mittelbar förderberechtigt)
- Auch ausländische Arbeitnehmer, die in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind
Landesförderungen — Jedes Bundesland ist anders
Neben den Bundesprogrammen bieten die Bundesländer eigene Förderprogramme an. Diese unterscheiden sich stark und werden regelmäßig angepasst:
Beispiele (Stand 2026)
| Bundesland | Programm | Förderung |
|---|---|---|
| NRW | NRW.BANK Wohneigentum | Zinsgünstiger Kredit bis 230.000 € |
| Bayern | Bayerisches Wohnungsbauprogramm | Darlehen + Zuschuss für Familien |
| Baden-Württemberg | L-Bank Wohnen mit Kind | Zinsgünstiger Kredit + Tilgungszuschuss |
| Niedersachsen | NBank Wohneigentum | Darlehen bis 150.000 € |
| Hamburg | IFB Hamburg | Familien-Baudarlehen |
| Berlin | IBB Wohneigentum | Zinsgünstiges Darlehen |
Tipp: Informieren Sie sich bei der Landesförderbank Ihres Bundeslandes über aktuelle Programme. Die Konditionen ändern sich häufig.
Wohnungsbauprämie — Kleine Förderung für Bausparer
Wenn Sie einen Bausparvertrag haben, können Sie die Wohnungsbauprämie beantragen:
- Prämie: 10 % der Sparleistung, maximal 70 € pro Person (140 € für Ehepaare)
- Einkommensgrenze: zu versteuerndes Einkommen bis 35.000 € (70.000 € für Ehepaare)
- Die Prämie muss für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden
- Antrag über die Bausparkasse (jährlich bis zum 31. Dezember des Folgejahres)
Arbeitnehmersparzulage — Extra-Zuschuss vom Staat
Wenn Ihr Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen (VL) in einen Bausparvertrag einzahlt:
- Zuschuss: 9 % der VL-Einzahlungen, maximal 43 € pro Jahr
- Einkommensgrenze: zu versteuerndes Einkommen bis 17.900 € (35.800 € für Ehepaare)
- Der Bausparvertrag muss 7 Jahre laufen (Sperrfrist)
Tipps für ausländische Käufer
Rechtliche Voraussetzungen
- EU-Bürger können in Deutschland ohne Einschränkungen Immobilien kaufen
- Drittstaatsangehörige ebenfalls — es gibt keine Beschränkung für den Immobilienerwerb
- Für manche Förderprogramme benötigen Sie einen dauerhaften Aufenthaltstitel (Niederlassungserlaubnis oder mindestens 5 Jahre Aufenthalt)
Finanzierung
- Banken verlangen in der Regel 20–30 % Eigenkapital (Kaufnebenkosten + Anzahlung)
- Eine gute SCHUFA-Auskunft ist entscheidend für die Kreditvergabe
- Befristete Aufenthaltstitel können die Kreditvergabe erschweren — sprechen Sie offen mit der Bank
Kaufnebenkosten nicht vergessen
| Kostenart | Anteil |
|---|---|
| Grunderwerbsteuer | 3,5–6,5 % (je nach Bundesland) |
| Notar und Grundbuch | ca. 1,5–2 % |
| Maklerprovision | 3,57–7,14 % (je nach Bundesland und Vereinbarung) |
Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 300.000 € kommen 30.000–45.000 € Nebenkosten hinzu.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu spät beantragen: KfW-Förderung muss vor dem Kauf beantragt werden
- Programme nicht kombinieren: Manche Förderungen lassen sich kombinieren (z. B. KfW + Landesförderung) — fragen Sie einen Finanzberater
- Eigenkapital unterschätzen: Planen Sie mindestens 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital ein
- Nebenkosten vergessen: Grunderwerbsteuer, Notar und Makler kosten zusammen 10–15 % des Kaufpreises
Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.