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Studium in Deutschland — Bewerbung, Kosten und Tipps für Ausländer

Wie Sie in Deutschland studieren: Hochschultypen, Zulassung, Kosten, Finanzierung und Aufenthaltstitel.

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Deutsche Begriffe
Studium Universität Fachhochschule Immatrikulation Semesterbeitrag BAföG Studentenvisum

Warum in Deutschland studieren?

Deutschland ist eines der beliebtesten Studienländer weltweit — und das aus guten Gründen:

  • Keine Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen (nur Semesterbeitrag)
  • Hohe Qualität — viele Universitäten in internationalen Rankings
  • Internationale Studiengänge — über 1.800 englischsprachige Programme
  • Aufenthaltsrecht — nach dem Studium 18 Monate Jobsuche erlaubt
  • Guter Arbeitsmarkt — Fachkräftemangel in vielen Bereichen

Hochschultypen

Universität (Uni)

  • Forschungsorientiert — viel Theorie, wissenschaftliches Arbeiten
  • Abschlüsse: Bachelor (6–8 Semester), Master (2–4 Semester), Promotion (Dr.)
  • Studiengänge: alle Fachrichtungen, auch Medizin, Jura, Lehramt
  • Beispiele: TU München, Uni Heidelberg, Humboldt-Universität Berlin

Fachhochschule (FH) / Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)

  • Praxisorientiert — viele Projekte, Pflichtpraktika
  • Abschlüsse: Bachelor, Master
  • Studiengänge: Ingenieurwesen, BWL, Informatik, Soziale Arbeit, Design
  • Kleinere Gruppen, persönlichere Betreuung

Duales Studium

  • Kombination aus Studium und Arbeit im Unternehmen
  • Vergütung vom Arbeitgeber (800–1.500 €/Monat)
  • Hohe Arbeitsbelastung, aber Praxis ab Tag 1

Zulassung und Bewerbung

Voraussetzungen

  1. Hochschulzugangsberechtigung (HZB) — Ihr ausländischer Schulabschluss muss anerkannt werden
  2. Prüfen Sie auf anabin.kmk.org, ob Ihr Abschluss anerkannt ist
  3. Falls nicht: Studienkolleg (1 Jahr Vorbereitung + Feststellungsprüfung)
  4. Sprachnachweis
  5. Deutschsprachige Studiengänge: TestDaF (TDN 4) oder DSH (Stufe 2)
  6. Englischsprachige Studiengänge: IELTS (6.0–6.5) oder TOEFL (80–100)
  7. Ggf. Aufnahmetest — z. B. für Medizin (TMS), Kunst (Mappe), Musik (Vorspielen)

Bewerbungsfristen

Semester Frist
Wintersemester (Oktober) 15. Juli (für internationale Bewerber oft 15. Juni)
Sommersemester (April) 15. Januar

Wo bewerben?

  • uni-assist (uni-assist.de) — zentrale Bewerbungsstelle für viele Hochschulen (Gebühr: 75 € + 30 € je weitere Hochschule)
  • Direkt an der Hochschule — manche Hochschulen nehmen Bewerbungen direkt an
  • Hochschulstart (hochschulstart.de) — für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie

Kosten

Semesterbeitrag

An öffentlichen Hochschulen gibt es keine Studiengebühren (Ausnahme: Baden-Württemberg erhebt 1.500 €/Semester für Nicht-EU-Studierende). Der Semesterbeitrag (150–400 €) deckt:

  • Semesterticket (ÖPNV in der Region)
  • Studentenwerk (Mensa, Beratung, Wohnheime)
  • AStA (Studierendenvertretung)

Lebenshaltungskosten

Posten Kosten/Monat
Miete (WG/Wohnheim) 300–600 €
Essen 200–300 €
Krankenversicherung 110–120 € (studentische GKV)
Lernmaterial 30–50 €
Internet/Handy 20–40 €
Transport (oft im Semesterticket) 0–50 €
Freizeit 50–100 €
Gesamt ca. 850–1.200 €

Finanzierungssperrkonto

Für das Studentenvisum müssen Sie ein Sperrkonto (Blocked Account) mit mindestens 11.904 € (992 €/Monat × 12) nachweisen. Davon können Sie monatlich max. 992 € abheben.

Anbieter: Expatrio, Fintiba, Deutsche Bank

Finanzierung

BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz)

  • Wer? Studierende bis 45 Jahre mit bestimmtem Aufenthaltstitel
  • Wie viel? Max. 934 €/Monat (Höchstsatz 2025/26)
  • Rückzahlung: 50 % als zinsloses Darlehen (max. 10.010 €), Rest ist geschenkt
  • Antrag: beim Studierendenwerk Ihrer Hochschule

Wichtig für Ausländer: BAföG erhalten Sie nur mit bestimmten Aufenthaltstiteln (z. B. Niederlassungserlaubnis, nach 15 Monaten mit Aufenthaltserlaubnis, als anerkannter Flüchtling).

Stipendien

  • DAAD (daad.de) — größte deutsche Stipendienorganisation für Ausländer
  • Deutschlandstipendium — 300 €/Monat, leistungsabhängig
  • Stiftungen — Studienstiftung, Heinrich-Böll, Konrad-Adenauer, Friedrich-Ebert u.a.
  • Stipendienlotse (stipendienlotse.de) — Suchmaschine für Stipendien

Nebenjob

  • Als Student dürfen Sie 120 volle Tage oder 240 halbe Tage pro Jahr arbeiten
  • Als Werkstudent (max. 20 h/Woche während der Vorlesungszeit): reduzierte Sozialabgaben
  • Minijob (556 €/Monat): steuerfrei, keine Sozialabgaben für Sie
  • In den Semesterferien: unbegrenzt arbeiten erlaubt

Aufenthaltstitel für das Studium

Studentenvisum (§ 16b AufenthG)

  • Vor der Einreise bei der deutschen Botschaft beantragen
  • Dauer: zunächst 1–2 Jahre, verlängerbar für die Studiendauer + 10 Jahre max.
  • Voraussetzungen: Zulassung, Finanzierungsnachweis, Krankenversicherung
  • Nebenjob erlaubt (120/240 Tage)

Nach dem Studium

  • 18 Monate Aufenthaltserlaubnis zur Jobsuche (§ 20 AufenthG)
  • Danach: Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung (§ 18b AufenthG)
  • Nach 2 Jahren: Möglichkeit zur Blauen Karte EU oder Niederlassungserlaubnis

Krankenversicherung

Bis 30 Jahre (oder 14. Fachsemester): studentische gesetzliche Krankenversicherung (ca. 110–120 €/Monat). Danach: freiwillige Versicherung (ca. 200–250 €/Monat).

Tipp: Klären Sie die Versicherung vor der Immatrikulation — ohne Krankenversicherungsnachweis keine Einschreibung!

Tipps für ausländische Studierende

  1. Früh bewerben — besonders bei beliebten Fächern und für das Wohnheim
  2. Deutsch lernen — auch bei englischsprachigen Studiengängen hilft Deutsch im Alltag
  3. Wohnheim — günstiger als WG, Bewerbung beim Studierendenwerk
  4. Buddy-Programme — viele Unis bieten Mentoring für internationale Studierende
  5. AStA und Fachschaft — studentische Gruppen helfen bei Problemen
  6. Praktika — nutzen Sie Pflichtpraktika, um Berufserfahrung zu sammeln

Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

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