Sprachförderung beginnt in der Kita
Kinder lernen Sprachen am schnellsten im Alltag — deshalb ist der Kita-Besuch (Kindertagesstätte) der wichtigste Baustein für den Deutscherwerb. In den meisten Bundesländern gibt es ein Recht auf einen Kita-Platz ab dem 1. Lebensjahr.
Sprachförderung in der Kita
- Alltagsintegrierte Sprachbildung: Erzieher*innen sprechen Deutsch beim Spielen, Essen, Basteln
- Sprachstandserhebung: In vielen Bundesländern wird vor der Einschulung der Sprachstand getestet (z. B. HAVAS 5, Delfin 4)
- Gezielte Förderung: Bei Sprachdefiziten gibt es zusätzliche Förderangebote in der Kita
- Vorschulische Sprachkurse: Bis zu 18 Monate vor der Einschulung, kostenlos
Tipp für Eltern: Melden Sie Ihr Kind so früh wie möglich in der Kita an. Wartelisten in Großstädten sind lang — idealerweise 6–12 Monate im Voraus.
Willkommensklassen in der Schule
Kinder, die ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland kommen, besuchen zunächst eine Willkommensklasse (auch: Vorbereitungsklasse, Internationale Klasse, DaZ-Klasse).
So funktioniert es
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Dauer | 6–24 Monate (je nach Bundesland und Fortschritt) |
| Ziel | Deutschkenntnisse auf B1-Niveau, Integration in Regelklasse |
| Klassengröße | 10–15 Schüler*innen |
| Unterricht | Intensive Deutschförderung (15–25 Stunden/Woche) |
| Fächer | Deutsch, Mathematik, oft auch Sachkunde und Sport |
Übergang in die Regelklasse
Der Wechsel erfolgt schrittweise — erst einzelne Fächer (Sport, Kunst, Musik), dann immer mehr Unterricht in der Regelklasse. DaZ-Förderung (Deutsch als Zweitsprache) begleitet die Kinder oft noch 1–2 Jahre weiter.
DaZ — Deutsch als Zweitsprache
DaZ-Unterricht ist zusätzlicher Deutschunterricht für Kinder mit anderer Muttersprache. Er findet parallel zum Regelunterricht statt.
- Grundschule: 2–5 Stunden pro Woche zusätzlich
- Weiterführende Schule: Teilweise als eigenes Fach
- Ziel: Bildungssprache beherrschen (nicht nur Alltagssprache)
- Kosten: Kostenfrei — Teil des Schulsystems
Logopädie bei Sprachproblemen
Wenn ein Kind trotz Kita und Schule deutliche Sprachprobleme hat, kann eine logopädische Therapie helfen.
Wann zum Logopäden?
- Kind spricht mit 3 Jahren noch keine Zwei-Wort-Sätze
- Aussprache ist mit 4–5 Jahren kaum verständlich
- Kind stottert über mehrere Monate hinweg
- Lehrer*in empfiehlt eine Abklärung
Kosten und Zugang
- Verordnung vom Kinderarzt (Rezept für Logopädie)
- Krankenkasse übernimmt die Kosten vollständig bei Kindern unter 18
- Dauer: Meist 10–20 Sitzungen (je 45 Minuten)
- Wichtig: Logopädie unterscheidet zwischen Sprachentwicklungsstörung und DaZ-Förderbedarf
Tipps für Eltern
- Muttersprache pflegen: Eine starke Muttersprache hilft beim Zweitspracherwerb
- Vorlesen: Täglich 10–15 Minuten auf Deutsch vorlesen (Bilderbücher aus der Bibliothek)
- Medien auf Deutsch: „Sendung mit der Maus", „KiKA", Toniebox mit deutschen Hörspielen
- Spielkameraden: Verabredungen mit deutschsprachigen Kindern fördern
- Geduld: Kinder brauchen 1–2 Jahre für Alltagssprache, 5–7 Jahre für Bildungssprache
- Elternabende besuchen: Schulkontakt zeigt den Kindern: Bildung ist wichtig
Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.